Verkostung #4 : Tu l’as bu mon cru!?

Ich wollte Weine vorstellen, die ich als „vins iconoclastes“ bezeichnen wurde, also Weine, die mal die Normen stoßen, unsere Gewohnheiten und Vorurteilen stoßen, und deswegen was neues im Glas bringen.
Es gibt eine breite Welt außerhalb der strengen AOC Richtlinien, aber viel interessanter finde ich eben, Weine zu entdecken, die im Rahmen bleiben und trotzdem radikal unerwartet schmecken. Wie in kaum einer meiner Verkostungen vorher werden die Kunst und Arbeit der Winzern zelebriert, ob die eine untypische Rebsorte ins Licht bringen, neue Terroirs erschließen, oder innovative Verfahren benutzen.
Mehr darf ich gar nicht erzählen, aber grad eben stehen die 6 Flaschen bei mir, die uns einige Überraschungen versprechen.

Thema des Menüs? Was wäre von typischen regionalen Spezialitäten geworden, wenn sie aus einer anderen Region herkämen?

1. Carpaccio de boeuf – Chutney de cassis
Rindcarpaccio – Cassischutney

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Der Ursprung boeuf bourguignon ist klar: Burgund ist für sein Rindfleisch und sein Rotwein bekannt. Was wäre es geworden, wenn aus den Flandern stammten, wo es kein Wein gibt? Bier? Ja, aber es ist nämlich eine flämische Karbonade. Also kein Wein, kein Bier, dafür Kohl und Wurzelgemüse, roh, blanchiert, als Pickles und konfiert, und Rind kaum gebraten mit Cassis, als Erinnerung der rote Farbe.

Morgon 2014 – Marcel Lapierre

Dazu ein klassiker, der Morgon von Marcel Lapierre. Er überrascht, als Vorbild Naturweine, bio. Die Philosophie dabei ist die menschlichen Interventionen zu begrenzen, im Weinberg wie im Keller. Wir hatten die Version mit wenig Sulfiten (die andere hat gar kein), die uns viel Frucht (Kirsch) gebracht hat. Vielleicht aber noch zu jung.

 

2. Crême de Cassoulet – Moules – Pamplemousse
Cassouletmus – Miesmuscheln – Grapefruit

DSCF5538_mod1Traditionell aus Südfrankreich (Languedoc und Toulouse), ein Cassoulet ist ein sehr irdische Speise, ein Bohnen Eintopf mit Wurst und konfiertem Entenkeule. Hier mit bretonischen Noten kombiniert, damit Jod alles erleichtert.

Aligoté de Bouzeron 2013 – Domaine de Villaine

(wir hatten am Donnerstag mit dieser Speise den Saint-Bris, siehe unten, ich habe am Freitag die Weine getauscht)

Burgunder Weisswein, bio, aber, da liegt die Überraschung, kein Chardonnay. Aubert de Villaine, für seine Romanée-Conti bekannt, hat sich auch in Bouzeron etabliert. Aligoté ist die billige Rebsorte Burgunds, aber in Bouzeron so gepflegt, dass der Wein die Villages Bezeichnung tragen darf, zurecht. Für manche ein Highlight bei der Verkostung. Die Begleitung mit dieser Speise hat auch viel besser funktioniert als mit dem Risotto.

 

3.Sarrasin en Risotto, Trompettes, Ricotta
Buchweizenrisotto – Ricotta – Herbsttrompeten

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In Frankreich, der typische Geschmack Buchweizens ist eng mit bretonischen Galetten verbunden. Hier als Risotto habe ich korsische Marker verwendet, Esskastanien, Ricotta, Herbsttrompeten, Coppa, Oliven, und in Schwarz-weiß, die Farben Bretagne und Korsika.

Sauvignon de Saint-Bris 2013 – La Chablisienne

(Donnerstag hatten wir dabei den Bouzeron getrunken)

Die berühmte Gemeinschaft aus Chablis produziert auch ein Wein im nachbarsdorf Saint-Bris-le-Vineux. Und schon wieder… kein Chardonnay, sondern ein Sauvignon, Saint-Bris ist auch dafür die Ausnahme in der Region, wo der Terroir dem Sauvignon Honignoten beibringt.

 

4. Calamar au boudin, Polenta, Ratatouille
Blutwurst gefüllte Kalmars – Polenta – Ratatouille

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Ich wollte Ratatouille und Polenta von der Provence nach Basken transportieren, und die als Pintxos, also baskischen Tapas arbeiten. Daher, Kalmar und Tomatensoße mit Piment d’Espelette.

Les Grimaudes, Costières de Nimes 2013 – Marc Kreydenweiss

Marc Kreydenweiss ist ein bekannter, talentierter Winzer aus dem Elsaß. Er und seine Frau betreiben auch ein Domaine bei Nimes (zwischen Languedoc und Süd Côtes du Rhône). Die philosophie bleibt, also bio, aber der überrascht mit seinem kräftigen südlichen Charakter, schöne Tanninen und Pfeffernoten, sehr weit von elsässischen Weinen. Trotzdem nicht die perfekte Begleitung für die starke Speise entgegen.

 

5. Chocolat -Courgette – Lard – Poivron – framboises
Schokolade – Zucchini – Speck – Paprika – Himbeeren

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Als Nachtisch keine regionale Spezialität, aber Überraschungen mit diesem Schokolade-Zucchini Kuchen mit Speck Pulver, Cassis-Paprika Eis und Himbeersoße. Und: kein Fett. Dabei zwei Weine.

Mondeuse Terres rouges 2014 – Domaine Quenard

Die tiefen Taler Savoie bieten nicht nur Weissweine für fettige Käsespeisen, sondern auch so ein Rotwein. Schöne Gewürznoten, so ein Rotwein kann man zum Dessert servieren.

FRV100 – Domaine des Terres Dorées

Zurück im Beaujolais für ein Schaumwein (FRV100 lässt sich effervescent aussprechen, also spritzig) voller Überraschung. Im Beaujolais wird Crémant hergestellt, Crémant de Bourgogne sogar, aus Chardonnay. Also mit Champagnergärung. Der kreative Jean-Paul Brun lässt sich eher von anderen Weinen inspirieren, wie der Cerdon, ein Schaumwein rosé mit traditionellgärung. Sein Gamay Schaumwein bringt zu dem Nachtisch angenehme Erdbeernoten, alles mit etwa 7,5%. Sehr Überraschend, aber hat den Gästen ganz gut gefallen.

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